2. Schuldgefühle.

Ich hab ein Problem mit meiner Stimme. Möglicherweise auch mehrere, so ganz klar ist das noch nicht. Ich halte zwei Ursachen für möglich, wobei ich aber nicht wirklich viel davon verstehe: a) ich reagiere auf irgendwas allergisch und das „legt“ sich auf die Stimme und b) ich hab sie mir durch ne ungute Angewohnheit (ok, das ist jetzt sehr schöngeredet, aber egal) kaputt gemacht.

In beiden Fällen kann man sagen: selbst schuld. Ich bin nie zu nem Arzt damit. Grund a) ist mir erst relativ spät klar geworden (das erste Mal, dass ich mich an größere Probleme mit der Stimme erinnere, war mit ca. 25 Jahren und dass ich wahrscheinlich ne Allergie habe, hab‘ ich erst mit weit über 30 verstanden) und Grund b) ist etwas, worauf ich nicht stolz bin.

Ich hab ne Geschichte zum Thema „von Ärzten beschämt werden“. Ich hab ne chronische Erkrankung von Kindesbeinen an, es ist auch noch ne ziemlich unbekannte und seltene Erkrankung und die meisten Ärzte tun gerne so, als wüßten sie, wovon sie sprechen, während ich nach drei Sekunden checke, ok, die Vorlesung zum Thema x fiel aus – oder wurde gleich wieder vergessen. Jedenfalls sagen mir immer gerne Leute, die von meiner Geschichte nichts verstehen, was ich doch anders machen sollte, und dann wäre ja alles kein Problem.
Das, die Tatsache, dass man als Frau generell eher nicht ernst genommen wird und nicht die Hilfe bekommt, die man bräuchte und diverse andere Geschichten in dieser Richtung halten mich oft davon ab, einen Arzt aufzusuchen. Ich kann mir einfach schöneres vorstellen. Und sitze es aus.

Manche Dinge habe ich sehr, sehr viel zu lange ausgesessen und das mit meiner Stimme ist eins davon.

Ich liebe es zu singen. Ich komme lange ohne reden klar, aber ohne singen ist Höchststrafe. Früher hatte ich wirklich mal ne Stimme, die man Stimme nennen konnte. Dann beschränkte sich das immer mehr auf ne bestimmte Tonlage, aber da hörte es sich meist immer noch gut an und war halbwegs stabil, zumindest wenn ich vorher nicht lang reden musste. Und nach ner Erkältung Mitte November bin ich dann stimmlich gar nicht mehr auf die Füße gekommen. Da ich aber regelmäßig Musik mache und in der Richtung eher „neues Land einnehmen“ als „vorhandenes Land aufgeben“ will, habe ich mich tatsächlich mal selbst am Kragen gepackt und zu nem HNO geschleppt. (Und wurde tatsächlich ernst genommen, wow.)

Kommenden Montag gibt es dann genauere Untersuchungen… mal sehen, was dabei rauskommt. Ich frage mich, ob man nach so langer Zeit „Stimmbandfolter“ noch was reißen kann mit Stimmbildung oder Logopädie.

Ich weiß aber, dass ich es unbedingt will. Es ist einer meiner Träume, dass meine Stimme wieder so gut wird wie früher, und besser. Es ist für mich in den letzten Jahren so wichtig geworden, mich auszudrücken. Es geht dabei primär um „vor Gott“. Menschen urteilen über das, was sie sehen und hören, auf ihre eigene Weise – das will ich oft lieber nicht wissen. Aber ich weiß, dass mein Gott es liebt, wenn ich mich ihm mit meinem ganzen Sein entgegenschleudere, ihm alles gebe, was ich bin. Und ich hab das Gefühl, es schränkt mich total ein, wenn meine Stimme eben nicht mitmacht. Klar, ich kann bestimmt auch bei nem Instrument alles geben, oder ich kann mich auch ziemlich leidenschaftlich auf ner Leinwand austoben, ich kann tanzen… es gibt viele Wege sein Herz mit Abba zu teilen. Und ich nutze mehrere. 🙂 Und gerne.

Aber singen wird für mich wahrscheinlich immer das Wichtigste sein. Ich will mich diesem Traum in diesem Jahr stellen und alles tun, was ich kann, damit es besser wird. Auf allen möglichen Wegen – ich bitte Gott um Wiederherstellung … und gleichzeitig um Weisheit, ich will schauen, was ich dazu lernen kann, um selbst mit meinem ureigenen Instrument gut umzugehen. Auch wenn das Zeit, Energie und Geld kostet. Sei’s drum. Es ist ein Traum, und der gehört ernst genommen.

Schuldgefühle sind das, was mir die Schlange reinhypnotisieren will. Du kannst doch nicht Gott um Heilung bitten, wenn du selbst schuld bist. Ha, genau… das hat Jesus in den Evangelien auch immer so gemacht. Also sorry, aber dich kann ich jetzt nicht heilen, du hast dich schließlich selbst in die Bredouille gebracht, right?

Nein.

So ist er nicht.

Halleluja.