3. Umdenken

In letzter Zeit fasziniert mich die „Erneuerung der Sinne“ (z.B. Epheser 4,23)  ungemein. Ich erlebe, wie viel leichter das Leben wird, wenn man glauben kann, dass Abba wirklich gut ist. Als ich mit 12  Jesus vor die Füße gestolpert bin, hab ich erst mal alles gefressen, was mir so vorgesetzt wurde in Bibelarbeiten und Büchern und Predigten und weißderGeierwasnoch. Dass man etwas frisst, heißt aber nicht zwingend, dass man es auch gut verdaut, vieles ist so durchgerutscht und ich konnte zum Beispiel nie glauben, dass Gott mit mir etwas anfangen kann. Oder will. Dass er mich irgendwie gut finden könnte. Ich dachte lange Zeit so „Wenn du Glück hast, bist du halt mal in der Ewigkeit bei ihm“, weil ich mich selbst so unglaublich schrecklich und unnütz fand, dass alles, was darüber hinaus gegangen wäre (sowas wie, dass Abba sich jeden Morgen freut, wenn ich die Augen aufschlage, oder wenn er mir bei der Gartenarbeit zuguckt, oder wenn ich in seine Arme renne… ich meine, überhaupt, dass ER sich über MICH freut) einfach nur vollkommen unvorstellbar war.

So habe ich lange Zeit über-lebt, aber nicht wirklich von ganzem Herzen gelebt. Ich hatte immer Angst. Angst vor Gott, Angst vor Menschen, Angst vor der Zukunft und vor dem Leben an sich. Ich hab mich irgendwie arrangiert, weil ich nicht gedacht habe, dass sich daran was ändern lassen könnte – ich bin eben so, wie ich bin, kämpfen und durchhalten ist angesagt. Durchhalten.

Ich bin dankbar für dieses durchhalten und die Kraft dafür kam definitiv von Gott. In den Psalmen gibt es einen Vers, sinngemäß „du erhältst mich“, in verschiedenen Variationen kommt das öfter vor. Und wo ich den Vers gerade so suche, stolpere ich über Psalm 18.

Denn wer ist Gott außer dem HERRN? Und wer ist ein Fels als nur unser Gott?
Gott umgürtet mich mit Kraft und untadelig macht er meinen Weg.
Er macht meine Füße den Hirschen gleich, und stellt mich hin auf meine Höhen.
Er lehrt meine Hände das Kämpfen und meine Arme spannen den ehernen Bogen.
Und du gabst mir den Schild deines Heils, und deine Rechte stützte mich, und deine Herabneigung machte mich groß.
Du schaffst Raum meinen Schritten unter mir, und meine Knöchel haben nicht gewankt.
Meinen Feinden jagte ich nach und erreichte sie, und ich kehrte nicht um, bis ich sie aufgerieben hatte.
Ich zerschmetterte sie, dass sie nicht mehr aufstehen konnten; sie fielen unter meine Füße.
Und du umgürtetest mich mit Kraft zum Kampf, beugtest unter mich, die gegen mich aufstanden.
Meine Feinde aber – du hast sie vor mir in die Flucht geschlagen, und meine Hasser, ich habe sie vernichtet.
 
Für mich findet der beschriebene Kampf zu einem großen Teil im eigenen Kopf statt. Was glaube ich? Wem glaube ich? Und wie komme ich überhaupt dazu?
Seine Rechte hat mich gestützt, in allen schweren Zeiten. Er hat mich dahin gebracht, wo ich meine Feinde, und an der Stelle seh ich meine schädlichen Gedankenmuster von früher, alle zu Tode jagen konnte. Bestimmt ist noch der eine oder andere Feind übrig. Ich bin dabei, ihn an die Wand zu stellen.
Ich hab schon viel über Erneuerung der Sinne gehört und gelesen über die Jahre. Und mich immer gefragt, warum das so „schwer“ ist. Umdenken.
Ich glaube, dass oft erst das passieren muss, was in 2. Korinther 10,4 beschrieben ist. Unsere Gedanken bauen, wenn wir sie lassen, regelrechte Schlösser in unserer Vorstellung. Festungen, uneinnehmbar, mit bewaffnetem Personal auf den Zinnen und einem tiefen Wassergraben außenrum. Jedes „Aber“, das ich Gottes Wort entgegensetze, baut mit an dieser Festung – oder ist in späterem Stadium eine Folge davon. Ich verstehe selbstverständlich nicht alles in Seinem Wort. Ich habe keine ausreichende Vorstellung von Gott. Damit bin ich in hervorragender Gesellschaft (z.B. Psalm 139,17) und das ist total ok. Ich darf empfangen, ohne alles zu verstehen.
Und das tut so gut und nimmt so viel Anstrengung aus meinem Leben.
Meine „Gedankengebäude“, meine Festungen waren unter anderem das oben beschriebene: ich bin zu nichts nütze und, noch viel bedeutender: vielleicht ist Gott doch nicht gut. An einem bestimmten Punkt in meinem Leben dachte ich, Gott hätte mein Leben vor die Wand gefahren und ich habe ihm alle möglichen Eigenschaften zugeschrieben, die in Wirklichkeit dem Teufel zuzuschreiben sind. Ich habe das zugelassen und es wurde zu einer Festung, die wahrscheinlich schon lange ein Fundament hatte, das bis dahin relativ unauffällig war.
Es war durchaus ein „Kampf gegen meine Feinde“, diese beiden Festungen einzureißen, aber das geniale an der Sache mit Abba ist, was in Philipper 2,13 steht. Wenn ich ihn bitte und lasse, zeigt er mir den Weg, er macht mich willens, den Weg zu gehen und befähigt mich dann auch. Ich gehe, ja. Aber mit so viel Hilfe und liebevoller Unterstützung.
Seine Geduld und Gnade sind jeden Morgen neu. Und jeden Mittag und jeden Abend und sogar mitten in der Nacht.
Ich liebe das.
Als diese beiden Festungen einmal gefallen waren (ich glaube es gab nach etlicher „Vorarbeit“ einen Moment, wo der heilige Geist einfach nur einen Sprengsatz zündete und *boom*), wurde umdenken plötzlich zu einem großen Spaß. Ich denke viel in Bildern und manchmal sehe ich einen miependen roadrunner, der mir ausbüchst (als Bild für einen Gedanken) und in die falsche Richtung rennt, und ich steh da mit einem Lasso und fang ihn wieder ein. Und das ist einfach, wenn das Fundament stimmt, wenn grundlegend geklärt ist: Gott ist gut. Er hat Gutes für mich und liebt mich und ich bin ihm alles wert.
Manchmal steh‘ ich vor einer Situation und weiß noch nicht, was jetzt gut ist, wie ich gesund darüber denken kann. Dann kann ich mich mittlerweile disziplinieren und meine Gedanken zur Ruhe bringen mit Gottes Hilfe und dann steh ich vor Abba und frage… was siehst du? Wo bist du? Wo gehst du entlang? Und dann lässt er mich sehen und ich kann ihm nachlaufen.
Das spart so viel Stress und Sorge und Kraft.
Der Feind versucht immer, Stress zu verursachen. Stress im Körper, in Beziehungen, im Leben, in der Seele. Alles kaputt zu machen.
Wenn man die meiste Zeit seines Lebens nichts anderes kannte, ist es einfach nur fantastisch, den Frieden Gottes so zu erleben.
Danke.

NB: Es gibt übrigens hervorragende Lehre zum Thema „Erneuerung der Sinne“ von Caroline Leaf, einer südafrikanischen Gehirnforscherin. Empfehlung!
Weitere Empfehlung: Gott ist gut von Bill Johnson 🙂