6. Beschenkt.

Gestern haben wir eine wunderbare Familie besucht. Auf dem Weg dahin dachte ich „ich würde gerne ein paar Blümchen mitbringen“ und passenderweise kamen wir bald darauf an einem Marktstand mit Blumen vorbei. Ich hab‘ ein paar erworben und dabei ein bisschen nachgedacht.

Es gibt ja dieses Buch von Gary Chapman, in manchen Kreisen sehr gefeiert, „Die 5 Sprachen der Liebe“. Ich muss gestehen, dass ich es nie gelesen habe, aber ich hab immer mal drüber gehört, Danny Silk erwähnt es hier und dort, aber ich behaupte mal, ich muss es nicht gelesen haben, mir reicht die Wikipedia-Zusammenfassung 😀

Also, die Theorie ist, dass es fünf Sprachen der Liebe gibt (Lob und Anerkennung, Zweisamkeit (Quality time), Herzensgeschenke, Hilfe/Unterstützung, Zärtlichkeit) und diese Sprachen bei jedem Menschen im Grunde angelegt, aber verschieden stark ausgeprägt sind. Du eroberst z.B. mein Herz, wenn du mir bei etwas hilfst (und du darfst dich extrem geliebt fühlen, wenn ich dir helfe 😉 ), wohingegen du mit Lob oder Geschenken … also sagen wir so, ich geb mir Mühe, mich gesellschaftskonform zu verhalten, lächle und sag Danke, aber das kommt nicht so richtig tief drin an bei mir. Zweisamkeit und Zärtlichkeit sind super, aber natürlich gibt es da wichtige Faktoren, die mit reinspielen (z.B. wer du bist, hehe).

Noch vor nicht allzu langer Zeit wäre ich nie auf die Idee gekommen, jemandem z.B. was mitzubringen, den ich besuche, weil das für mich persönlich keine große Bedeutung hat. Ich hab aber gelernt, dass das für manch anderen eben schon eine hat und so ist es halt ein bisschen wie eine Fremdsprache lernen. Es will ja auch nicht jeder, dass man seine Fenster putzt, wenn man zu Besuch ist… und irgendwie will man doch schon zeigen, dass man die Leute schätzt. Ich beschenke meine Freunde gerne. Nicht dass du mich falsch verstehst. Es hat nur für viele andere Leute eine viel größere Bedeutung als für mich (und dann gibt es noch Anlässe, die mir den kalten Schweiß ausbrechen lassen, weil ich völlig damit überfordert bin, was ich jetzt schenken könnte, aber DAS ist nochmal ne ganz andere Geschichte 😉 )

Nach dem Besuch bei der wunderbaren Familie hatte ich den zweiten Termin beim HNO und es kam nicht viel Neues bei raus, aber ich habe jetzt ein riiiiesengroßes Rezept für Logopädie und die Empfehlung, auch das mit dem Gesangsunterricht anzugehen -eins nach dem anderen. Gestern abend auf der Heimfahrt, als wir im Zug saßen, wurd es dann ein bisschen emotional (ich hab auch noch einen richtig dämlichen Fehler gemacht, der ein bisschen Geld zum Fenster raus geworfen hat… das kam noch obendrauf in dem Moment). Ich hatte den Gedanken „Ich hab so viele Punkte, an denen ich arbeite und die ich als mühsam empfinde und jetzt kommt noch etwas dazu, womit ich mich völlig überfordert fühle (das mit der Stimme eben) und ich wünschte, es würde einfach jemand „schnipp“ machen und ich würde das geschenkt bekommen.“

Und dann fiel mir das von mittags wieder ein, mit den Sprachen der Liebe und dass man ein Geschenk auch annehmen können muss. Irgendwo habe ich die Theorie gelesen oder gehört, dass eigentlich in jedem Menschen alle fünf Sprachen gleichermaßen da sein sollten – sowohl im Geben als auch im Empfangen – aber weil wir halt alle auf die eine oder andere Weise mehr oder weniger kaputt gemacht worden sind im Laufe unseres Lebens, ist das nicht mehr so. Wenn Gott uns wiederherstellt, können wir da wieder ankommen, was meinst du?

Ich wünsche mir, dass ich Geschenke auf eine Weise empfangen und annehmen kann, dass sie mit derselben Wucht Liebe transportieren, wie wenn mir jemand im Garten hilft oder Wäsche bügelt oder mir sonstwie unter die Arme greift.

Ich weiß schon, dass Gott manchmal „schnipp“ macht. Ich weiß nicht, ob er das in diesem Fall tun will und nur darauf wartet, dass ich es endlich kapiere.

Aber ich weiß, dass ich dem mal nachgehen werde. 🙂