8. Von Umwegen, die vielleicht keine sind.

Ich liebe Laufen. Eigentlich auch im Sinne von „Joggen“, aber da bin ich schon längere Zeit zu arg gesundheitlich ausgeknockt dafür, ich überlege aktuell, ob ich mich sehr langsam wieder dran wage. Allerdings bin ich nicht so der Typ für „sehr langsam“, ich kann mich so schlecht beherrschen, wenn es um Sport geht und so gibt’s für mich oft nur „ganz oder gar nicht“, weil „so ein bisschen“ halt einfach unbefriedigend ist. Naja, mal sehn… manchmal werden ja auch alte Leute noch vernünftig!

Aber Wandern zum Beispiel, spazieren gehen oder auch einfach mal nur die 3 km bis zum Supermarkt zu Fuß zurücklegen, das gefällt mir. Wenn das Wetter entsprechend ist, denn ich bin ne Frostbeule und an manchen Tagen gibt es nicht genug Socken, um meine Füße auch nur annähernd auf sowas Ähnliches wie die Körpertemperatur einer Eidechse im November zu bekommen.

Aber wenn’s ein paar Grad plus hat und dann vielleicht auch noch grade nicht stürmt oder regnet, bin ich echt gern draußen unterwegs. Betonung auf unterwegs. Ich liebe Laufen, achso, sagte ich bereits. Irgendwann neulich hab ich mal gelesen, was das für Auswirkungen auf Denk- und Verarbeitungsprozesse hat, auch ganz spannend. Laufen bringt mich runter, es ist wie ein Kurzurlaub. Weg von allem, das etwas von mir will, hin zur Ruhe und zu Gott. Dabei geht es nie um Leistung, auch wenn mein lieber Mann gerne mit meiner Ausdauer angibt 😉 ich glaube der hat einfach keine Ahnung, was andere Frauen so leisten, die Kinder haben… aber egal. Ist ja schön, wenn er sich über mich freut.

Die Tage hat jemand für mich gebetet und im Zuge des Gebets gesagt „bei dir (Gott) gibt es keine Überraschungen“ – gemeint war damit, auch wenn was Doofes passiert, das schockt Gott nicht, der kommt damit klar, der wußte das schon vorher…

Das hat mich an eine kleine Geschichte erinnert, die ich Anfang 20 erlebt habe. Wirklich ne klitzekleine unbedeutende Geschichte, aber für mich hat sie schon ne Bedeutung, was möglicherweise damit zu tun hat, dass sie mir passiert ist und außerdem Gott dadurch zu mir geredet hat!

Damals hab ich in ähnlicher Umgebung gelebt wie heute, zwar im Sauerland, aber mit sehr viel Natur um mich. Quasi alles voller Bäume und Ginsterbüsche und Blumen und Wiesen. Hügelig, außerdem. Also genau wie hier, nur dass ich mir grade nicht sicher bin, ob ich hier schon mal über nen wilden Ginsterbusch gestolpert bin. Sei’s drum…

Ich hatte damals null Orientierung. Wenn du mich irgendwo ausgesetzt hast, war ich völlig verloren, mir ging jedes Gefühl dafür ab, in welche Richtung ich unterwegs war. Damals wie heute ging ich aber am liebsten ALLEIN auf Wanderschaft, was ein echtes Problem ist, wenn man sich in der Umgebung, in der man lebt, noch nicht so gut auskennt! Wir befinden uns außerdem in der Spätsteinzeit, Smartphone war noch nicht… irgendwann nahm mich also mal jemand mit auf ne „große Runde“ an einem sonnigen Spätsommertag und ich hab das so genossen. Ich hab versucht, mir irgendwelche prägnanten Punkte zu merken, damit ich den wunderschönen Weg durch die hügelige Herbstlandschaft wieder finden würde. Als ich einige Zeit darauf versuchte, den Weg alleine abzugehen, gelang mir das auch – zum Teil. Es kam aber der Punkt, als ich völlig verloren war… ich wußte einfach nicht mehr, wo ich bin, ob ich überhaupt noch irgendwie eine Chance habe, zurück zu finden, am besten noch vor Einbruch der Dämmerung, wenn’s geht… ich diskutierte innerlich mit Gott, die übliche Verzweiflung an vorderster Front, ich hab mich verlaufen, ich bin verloren, ich muss jetzt bestimmt stundenlang… tagelang… aaaah es wird bestimmt kalt… ich hab doch keine Ahnung wo ich hier bin… warum passiert mir immer so ein Sch*** undsoweiterundsofort. Kennt das jemand? Wenn man eine depressive Denkweise gewöhnt ist, ist das ganz einfach. Es gibt ja durchaus Denkalternativen. Ein Teil von mir freute sich sicher auch heimlich ein bisschen über das Abenteuer und war gespannt über das, was passieren würde, aber der angestrengte Jammer-Teil überwog in dem Moment.

Aber natürlich lief ich weiter.

Ich erreichte den Rand des Waldes und plötzlich stand ich an einer Bundesstraße. Die mir irgendwie bekannt vorkam. Das war jetzt nicht unbedingt romantisch oder bequem, da einen oder zwei Kilometer entlang zurück zu traben, zumal ich danach noch den dämlichen Berg rauf musste, der echt anstrengend war und den ich lieber motorisiert genommen habe als zu Fuß… aber ich wußte wieder, wo ich bin und fand heim. Zwei Stunden später als geplant, oder vielleicht waren es drei, ich weiß es nicht mehr, ich bin jedenfalls eine ganze Weile durch den Wald geirrt.

Als ich zu Hause war, musste ich plötzlich lachen. Weil mir bewusst wurde, Gott wußte das die ganze Zeit. Er hatte überhaupt kein Problem, keine Sekunde. Er hat es genossen, mit mir zusammen unterwegs zu sein. Er hat es von oben gesehen, wußte, dass ich bei der Straße rauskommen würde und heimfinden würde. Er wußte, dass mir das Laufen gut tun würde. Dass meine ganzen Sorgen umsonst waren.

Wenn ich schlau gewesen wäre, hätte ich gewusst, wie ER ist und die Extra-Laufzeit einfach auch genossen. (An dieser Stelle beachte bitte die Metapher auf’s Leben im Allgemeinen, danke.)

Etwas, das letztes Jahr ganz tief in mich rein gefallen ist, ist ein Vers aus Psalm 23. Eigentlich ist mir der ganze Psalm ziemlich gut reingegangen, aber der Vers besonders:

… er führt mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

Das tut er! Weil er ist, wie er ist! Und das heißt, ich brauch‘ mir WIRKLICH keine Sorgen machen. Irgendein Kram, der komisch aussieht und mir Angst einjagen will? Ein Grund mehr, mich an den Tisch zu Jesus zu setzen und zu hören, was er dazu zu sagen hat. Und auch wenn er mal nichts sagt – sein Versprechen steht.

Es gibt einen wunderbaren Kurzfilm von Messenger International, mal wieder auf Englisch, aber das kriegst du hin.  [Abandoned [EN] – klick!]

Ich denke, das passt. Und es ist gut, sich immer mal an solche Dinge zu erinnern, und schön, wenn Gott das Gebet eines anderen Menschen dazu benutzt, um das zu tun. Er ist treu. Und größer als alles.

Und jetzt werd ich mir noch diesen Podcast hier reinziehen, weil mir der grade ins Smartphone rutschte und ich trotz Schnee und Kälte mal ein paar Schritte vor die Tür machen werde. 😉  Ich vermute, dass es auch hervorragend zum Thema passt… [Graham Cooke – So you have a problem? No problem. [EN] – klick!]

Bis dann!